Philosophie
Das Ziel aller Athleten ist schlussendlich, ihre Performance zu optimieren, um möglichst erfolgreich im Wettkampf zu sein.
Dies erweckt bereits Vorstellungen und Erwartungen in uns: Genauso elitär wie schlussendlich die Leistung sein soll, müssen die Trainingsprogramme sein. Je spezifischer und schwieriger, desto besser. Oft denken wir dabei nur ans Training selbst, um dieses optimale Endergebnis zu erreichen.
Doch es gehört weitaus mehr dazu als nur Training, um schlussendlich die bestmöglichsten Fortschritte erzielen zu können. Mein Verständnis von optimaler körperlicher Entwicklung ist ein ganzheitliches, in welchem das Training einen wichtigen, aber nicht den einzigen Teil einnimmt:
-Training
-Ernährung
-Schlaf
-Mentale Verfassung
-Gesundheit
-Umfeld im und ausserhalb vom Sport
-Energiemanagement
Entscheidend sollten wir uns auch die Frage stellen, was vor und nach dem Training passiert. Oft hetzen gerade Nachwuchssportler, die Spitzensport und Arbeit / Schule unter einen Hut bringen müssen, von Termin zu Termin und sind energetisch weder optimal vorbereitet fürs Training noch haben sie danach genügend Zeit, sich zu erholen. Diesen ganzen Tagesablauf gilt es genauso zu bedenken und wenn nötig zu verbessern (im Rahmen des Möglichen) wie die Trainingseinheiten selbst. Wir brauchen schlussendlich ein gesundes Verhältnis von Sympathikus (Hohe Aktivität, Stress) und Parasympathikus (Ruhe, Erholung), um psychisch und physisch gesund zu bleiben.
Diese Herausforderungen sollen aber nicht darauf hindeuten, dass überhaupt nicht intensiv trainiert werden muss, sondern sollen vielmehr zu Bedenken geben, dass Belastung und Erholung sinnvoll gewählt werden müssen. Auch die Wahl der Trainingsmethodik und Übungen ist individuell zu gewichten: Natürlich können Übungen wie Reissen, Umsetzen, Kniebeugen, Kreuzheben usw. die Sportler erheblich weiterbringen, Trainingsmethoden wie Sprungtraining, Sprinttraining, Maximalkrafttraining und intensive Intervalleinheiten ebenso. Aber es muss auch im Vorfeld überlegt werden, ob die entsprechenden Athleten überhaupt die Voraussetzungen für einzelne Übungen und Methoden mitbringen. Deshalb ist nebst den eben genannten "Fortgeschrittenen Trainingssystemen" ebenso entscheidend, an den feineren, sozusagen "generellen Bewegungs- und Stabilitätsfunktionen des Körpers" zu arbeiten wie beispielsweise der Beinachse mitsamt Fussgewölbe, der Beckenkontrolle, der Schulterstabilität, der tieferliegenden Muskulatur des Rumpfes, der Beweglichkeit usw. Mobilisierung, Ansteuerung und Kräftigung sind dabei zentrale Themen für die entsprechenden Körperregionen und müssen bei jedem Athleten individuell beurteilt werden.
Diese Pyramide (Eigene Darstellung) soll nur zusammenfassen, was es braucht, damit das Athletiktraining dem Sportler den optimalen Nutzen für seine Sportart bringen kann. Es wird anhand der verschiedenen Bereiche aufgezeigt, was potenziell alles einen Einfluss auf die Umsetzung in den Sport hat. Es geht nicht darum, nur in einem unteren Bereich zu arbeiten und erst später an den höherliegenden: Es müssen immer alle Bereiche entwickelt werden; auch wenn die Beinachse eines Sportlers beispielsweise nicht optimal verlaufend ist, müssen trotzdem Reize im Kraft- und Schnelligkeitsbereich gesetzt werden, die sogar hilfreich sein können für eine Verbesserung dieser Problematik.
Dass in erster Linie das Talent und vor allem auch der Wille und Fleiss eines Sportlers in der entsprechenden Sportart eine entscheidende Voraussetzung ist, steht ausser Frage. Schlussendlich ist der sportliche Erfolg ein Zusammenspiel zahlreicher Faktoren und viele Menschen sind dafür von Bedeutung: Nebst den Sportart-, Athletik- und Mentaltrainern oftmals auch Physiotherapeuten und Ärzte, Leistungsdiagnostiker und sehr wesentlich auch das persönliche Umfeld eines Sportlers.
Meine Arbeit ist nur ein Teil des ganzen Kuchenstücks. Trotzdem mache ich mir ausführlich Gedanken darüber, was die Grundsätze meines Schaffens sind. Wichtige Grundsätze sind für mich:
"No majoring in the minors": Kein übermässig grosser Fokus auf die kleinen Übungen für einzelne Muskeln. Denn der Körper ist mehr als die Summe seiner Einzelteile. Ein Gerüst ohne Fassade ist nicht vollständig.
"No majoring without minors": Kein alleiniger Fokus auf die grossen Übungen für grössere Muskelgruppen gleichzeitig, ohne die verschiedenen Muskeln zu beachten, welche Ganzkörperbewegungen entscheidend unterstützen. Eine Fassade ohne Gerüst ist auch nicht vollständig.
Aber nicht nur die Wahl der Übungen, sondern auch die Festlegung von Trainingsschwerpunkten sowie der Tages- und Wochenabläufe ist wichtig. Schon die alten Griechen hatten sich Gedanken darüber gemacht und ihr Training in sogenannten Tetraden strukturiert: Das sind vier aufeinanderfolgende Trainingstage mit individuellen Schwerpunkten, die sich immer wiederholen. Diese Form der Planung entsprach auch dem Harmoniebedürfnis, welches die alten Griechen stetig in allen Formen anstrebten.
Die Tetrade (eigene Darstellung) beginnt mit einem Trainingstag mit tiefer bis mittlerer Intensität als Vorbereitung, um dann am zweiten Tag ihren Höhepunkt zu finden, an welchem mit maximaler Intensität trainiert wird, als wäre es ein Test oder Wettkampf. Am dritten Tag folgt die Entspannung, wo der Fokus beispielsweise auf der Meditation und Atemübungen liegt. Am vierten Tag folgt ein mittelmässig strenges Training mit dem Fokus auf technischen und taktischen Themen. Danach wiederholt sich die Tetrade mit dem ersten Tag (Quelle: "From Olympia to Atlanta: A Cultural-Historical Perspective on Diet and Athletic Training." Grivetti & Applegate, 1997).
Auch wenn diese Trainingsphilosophie vielleicht nicht 1:1 in der heutigen Welt des Spitzensports umsetzbar ist, muss trotzdem ein gewisses Gleichgewicht zwischen harten und lockeren Trainings bestehen: Zu wenig oft hart zu trainieren ist genauso kontraproduktiv wie zu oft hart zu trainieren. Es gilt also nicht nur, die inhaltlichen Schwerpunkte des Trainings festzulegen, sondern auch die Intensitäten der einzelnen Einheiten und Trainingstagen. Somit kristallisiert sich heraus, was das Schlüsselwort meiner Coaching-Philosophie ist:
BALANCE
Daher achte ich darauf, dass das Training nicht zu monoton, aber auch nicht zu vielfältig ist. Zu viel Monotonie im Training kann das Bewegungslernen einschränken und erhöht die Belastung, zu viel Vielfalt hingegen führt ebenso dazu, dass Techniken nicht genügend erlernt werden und das Trainingsziel ausser Fokus rückt. Die Intensität, Häufigkeit und Dauer der Trainings sowie deren Übungen sind ebenfalls je nach Athlet unterschiedlich akzentuiert und hängen von seinen Voraussetzungen und seinen Möglichkeiten ab. Ebenso besteht eine sinnvolle Mischung aus generellen und spezifischen Übungen, die nicht nur von der Sportart des jeweiligen Athleten, sondern auch von seiner Fitness abhängt. Bei der Planung meiner Trainings sowie der Übungen kommen nicht nur trainingswissenschaftliche, sondern auch menschliche Überlegungen zum Zug.
Wohin der Weg eines jeden Athleten führt, ist offen: Was lernt er oder sie im Verlaufe der Zeit, was ändert sich auch im Innen oder Aussen, welche Herausforderungen stellen sich? Doch genau dieser einzigartige Weg eines jeden Athleten ist das Faszinierende daran und ich freue mich, diesen begleiten zu können.
Raphael Gubler
Plan and Perform
Raphael Gubler
Schafmattstrasse 4
8841 Gross
raphael_gubler@hotmail.com
+41 78 772 87 82
Tätig in der Region Einsiedeln, unteres Zürichseeufer, Rapperswil und Linthgebiet.
Hier bin ich oft anzutreffen:
Sjögren's Tennis School Kaltbrunn
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